Covid-19. Dokumentation eines kollektiven Kommunikationsprozesses

idea / concept | editing alexandra reill
production kanonmedia | vienna 03-06/2020

Am 15/03/2020 wurden in Österreich Ausgangsbeschränkungen verhängt, die in ihrer Gesamtheit einer kompletten Quarantäne ähnelten; Geschäfte wurden geschlossen, Veranstaltungsverbote ausgerufen, und quasi ein vollkommener Shutdown der Aktivitäten im Lande eingeleitet – eine Situation, die es so seit den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht gegeben hat.

Enorme Verunsicherung trat bei sehr vielen Menschen ein, man könnte sagen, ein Schock. Dies wirkte sich unmittelbar auf Kommunikation und Verhalten von Menschen aus.

Diese Veränderungen waren auch auf facebook sehr gut sichtbar, die postings von sehr vielen facebook-UserInnen gestalteten sich wesentlich anders als vor Ausbruch der Covid-19-Krise. Das konnte Alexandra Reill auch an sich selbst feststellen.

Waren Covid-19 und der Shutdown zu Beginn Themen, die alle anderen Lebensbereiche verdrängten, so folgte unmittelbar die Bedrohung durch wirtschaftliche Einbrüche. Die Versprechung der Regierung, „niemanden zurückzulassen, koste es, was es wolle“, führte bei wirtschaftlich Betroffenen zu einer Fokussierung auf Programme der Überbrückungshilfe. Niemand sollte ahnen, wie anhaltend sich dieses Thema in den Kommunikationsverläufen niederschlug, angesichts all der Hürden und Verzögerungen, die monatelang folgten; angesichts des Ausmasses an Auswirkungen, die der Shutdown auf alle Gesellschaftsbereiche hatte und wohl auch noch 2021 oder darüber hinaus haben wird.

Der Shutdown hat sich zum Teil massiv auf soziale und psychologisch-emotionale Befindlichkeiten vieler Menschen ausgewirkt, was durchaus auch im Rahmen der auf facebook stattfindenden Kommunikationsweisen feststellbar war und ist.

Alexandra Reill entschloss sich, diese Prozesse insofern zu beobachten und festzuhalten, als sie begann, ihre eigenen postings in einer Chronologie der Inhalte und Formulierungen und auch jene anderer, in deren posting threads sie sich auf einmal und ganz ungewohnt verstärkt involvierte, zu dokumentieren. Als Zeitraum war ursprünglich jener von Beginn bis Aufhebung des Shutdowns geplant. Da letztere jedoch in Schritten erfolgte und nach wie vor erfolgt; über Monate aufgeteilt wurde und wird; und da Covid-19 mit all seinen Konsequenzen nachhaltig Thema ist, wird der Prozess so lange weitergeführt, bis der Eindruck entsteht, dass diese Krise bewältigt ist; was auch immer dies im Konkreten bedeuten mag.

Eventuell eignet sich dieser Beobachtungsprozess zum gegebenen Zeitpunkt für die Veröffentlichung einer editierten Dokumentation.

Covid-19. Dokumentation eines kollektiven Kommunikationsprozesses virtually exhibited through

— noemata #biennaleNO 2020 / gol / nor / int / 20-21