SAVE / SAFE

Eine dramaturgisch strukturierte Fallstudie zu posthumanen Tendenzen und Borderlining als zeitgenössisches Phänomen

authorship alexandra reill | singapore / sydney / nzl / fiji / eastern samoa / vienna 2000-2003
publishing kanonmedia | vienna 2003

SAVE / SAFE geht von der Erforschung psychologischer Zustände bei Borderlining aus und reflektiert die Symptomatik als zeitgenössisches Phänomen, das einen integralen Bestandteil in der Entwicklung so genannter post-humanen Gesellschaften bildet: Bewusstseinszustände, die direkt mit dem Fokus auf Logik und dessen Bedeutung als wesentliche Herangehensweise an Leben in industrialisierten und von Kapitalismus, Globalisierung und Technokratie geprägten Nationen zusammenhängen. Zeitgenössische wirtschaftliche Entwicklungen haben direkten Einfluss auf Wahrnehmung und Selbstverständnis von Individuen.

Die Hauptfigur Anna dient als ‚modernes‘ Individuum, sie beschreibt situative Erfahrungen und persönliche Interpretationen gefühlsmäßig wahrgenommener Situationen aus ihrer Reise durch Ozeanien. Die Reise durch Polynesien – ein Gebiet der ‚Welt‘, das sich traditionell und in hohem Masse auf die Rolle sozialer Gemeinschaften und örtlicher Gemeinden verlässt, die auf den geografisch isolierten Inseln Polynesien nach wie vor grosse Bedeutung haben – dient als atmosphärischer Hintergrund, der solche kommunalen Lebensformen in ‚modernem‘ Leben vorherrschender Individualisierung gegenüberstellt.

SAVE / SAFE nimmt Vergleiche zwischen Annas individuellen Erfahrungen und zeitgenössischen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Philosophie, Psychologie, Ethik, Soziologie und Medientheorie bezüglich der Phänomene Borderlining und Post Humanity vor. Zitate aus der Fachliteratur bilden zeitgenössische Schlussfolgerungen hinsichtlich der Entwicklungen im Rahmen einer dritten industriellen Revolution, reflektieren und spiegeln Annas individuelle Wahrnehmung.

Anna ist eine Repräsentantin einer Mehrheit von Menschen, die sich dem subversiven Fortschreiten so genannter post-humaner Konditionierung noch nicht bewusst ist. Viele Komponenten ihrer Identität fasst sie nach wie vor als persönliche Charakterzüge auf, während diese direkter Ausdruck post-humaner Existenz sind und sich leicht als Symptome des Borderline Syndroms auffassen lassen – beides Phänomene, die durch den Einfluss digitaler Interaktivität und infolge exzessiver Forcierung von Ratio und logischen Denkens als prioritäre Herangehensweise an Leben, vehement verstärkt werden.

* The cultural container representing itself to society today and going to reign the 21st century … is characterized by substitutional relations based on the central involvement with information technology, pursued from a position of pseudo-autism … With the decay of inter-personal culture and the expansion of IT-controlled substitutes of inter-relation only one mass container is left for and generally accepted by a borderlining majority: the unavoidable search for the ego and for techniques allowing the construction of identity.*

* J. Erik Mertz, in: Borderline – weder tot noch lebendig, 2000. Übersetzung: Alexandra Reill

Anna erzählt die Geschichte einer Reise in das Zentrum ihrer selbst, eingebunden in die Erzählung ihrer Reise ‚an das andere Ende der Welt‘. Ihre zentralen Themen sind die Natur von Ego und Non-Ego, die Relevanz von Involvement und Interaktion und die Bedeutung von Non-Attachment.

** What really does authenticity of personal development mean ? Having it worked through for so many years, it finally emerges – this realization of a self, leading to autonomy and self – control of authority in the framework
of a society demanding for autonomous responsibility and respecting it. Which sense though does this authenticity make, if with its final acquiring its inner character proves to be fluid and transparent, if personal vanity, ego-profiling and the exertion of authority having become a natural option prove to be nothing but accessories of again dependent, mechanistic existence, thus loosing significance completely ? **

** Alexandra Reill, Anna in: SAVE / SAFE, 2002. Übersetzung: Alexandra Reill

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