Salon Volkertmarkt

Diskursiv-performative Serie von think tanks, basierend auf dem Prinzip der künstlerischen Forschung und der Methode des cut-ups (*)

idea | concept | installation settings in public space alexandra reill
by + with peter koger, media worker / mimie maggale, director and performer / alexandra reill, concept and video artist / christian stefaner-schmid, sound composer, concept artist, media theoretician + guests
production kanonmedia | vienna 2015

Wo steht zeitgenössische Kunst heute? Welche Rollen erfüllen Künstler_innen in urbanen Gesellschaften heute, welche Rolle/n spielt Kunst in zeitgenössischen Gesellschaften? Salon Volkertmarkt ist eine Serie fünf offener Brainstorming Sessions, ein künstlerisches Forschungsprojekt, das in der Methode des diskursiv-performativen Cut-Ups Gedanken, Ideen, Notizen, Bilder, Gesten, Handlungen, Filme, Sounds untersucht und produziert – als wöchentlicher Think Tank im öffentlichen Raum, auf dem Volkertmarkt.

Gemeinsam und in wiederkehrenden Diskussions- und Erprobungsrunden erforschten die mitwirkenden Künstler_innen, Gäste und Publikum im Sinne eines Salons Fragen danach, was Künstler_in heute sucht, will; wo Künstler_in heute in Gesellschaft steht und welche Rollen_n sie/er anstrebt. Im Sinne eines Think Tanks wurden alle Sessions protokolliert bzw. per Video oder Ton aufgenommen.

Auswahl betitelter Recordings

— Das Ausschlussverfahren
— Das Einverstaendnis, dabei sein zu wollen und das Karrenziehen
— Das geistige Verhungern und die dezentrale Regie
— Das gemeinsame Lesen
— Das Kuchenmodell 2 / 3 / 4 / 5 / 6 / 7
— Das Kuchenmodell 6, das Spielgeld und die Metapher
— Das Kuchenmodell 8 und das Spielgeld
— Das Papierbudget
— Das Postkartenspiel und das Fahrrad
— Das Projekt des Kommens und Gehens
— Das Spiel als naive Zone
— Das Spiel zum Welten schaffen
— Das zerknuellte Papier dreht sich
— Der Aktienmarkt und das Wettbuero
— Der limitierte Zufall
— Der Zuckerberg
— Die Abrechnung
— Die Arbeitszeitscheine, der Bischof und die Liebesfruechte
— Die Beschlussregeln 1
— Die Gruppe, das zerknuellte Papier, die Peruecke und das Fahrrad
— Die Gruppe, das zerknuellte Papier, die Peruecke und das Postkartenspiel
— Die Marquise 1 / 2 / 3
— Die Negation eines Brainstormings, das Rauschen, der Umgang miteinander und das Kuchenmodell 10
— Die Peruecke in Ordnung bringen
— Die politische Korrektheit, das Verdrängen, die Rechte und die Linke
— Die Regenpfuetze
— Die spielende Maschine und die Stundenliste
— Die Sprechordnung 1 / 2
— Die Sprechordnung 3 und die Gerichtsordnung
— Die Urheber_innenschaft und das Gerichtsprotokoll
— Die zentrale Moderationsfrage wuerde lauten… 1 / 2
— Die zwei Rechner im Nullsummenspiel
— Eigen- und Fremdwahrnehmung
— Es wird immer Blade Runner sein
— Schach als Nullsummenspiel
— Spielen um zu spielen
— Tic Tac Toe 1 / 2 / 3
— Wir sind im Spiel
— Zerknüllte Werke 1 (**)

Die folgenden Argumentationslinien zeigten sich als erkennbar:

In Konstellation dazu wurden die Fragestellungen in diskursiv-performativen Acts, die den öffentlichen Raum Volkertmarkt bespielten, szenisch erprobt und ergaben die folgenden Entwürfe an Szenen / Performance Ideen / Erprobungen/ Anrisse von Dramaturgien:

— Das Hütchenspiel
— Geld knüllen [und entknüllen]
— Das Münzen kleben auf die Mind Map
— Die Mind Map und das Farbschema für Fragen zu den gestellten Fragen zum Berufsbild Künstler_in
— Der Ton der verstorbenen Frequenz
— Die Herzfrequenz aufzeichnen
— Das Go Spiel
— Das Schachspiel

— Die Werke entknüllen
— Die poetische Kantate nach Nöstli

— Die Perücke kämmen, bis sie keine Knoten mehr hat
— Die Schweigestunde
— Zwei Maschinen im Nullsummenspiel
— Die selbstredende Maschine
— ELIZA
— Das Kalkül
— Das Wettbüro
— Die Sprechordnung
— Die Spielregeln
— Das Spielgeld
— Das Kuchenmodell

Aus diesen entwickelte sich das so genannte Kuchenmodell, das jeweilig in Konsensentscheidung der Anwesenden zu Beschluss stand, zur regelmässigen Hauptszene aller Think Tanks. In Anspielung auf die Tatsache, dass es der grossen Mehrzahl von Kunstveranstaltungen jenseits jener, die in der kommerziell ausgerichteten und in der Hochkultur angesiedelt sind, an Publikum mangelt, und in einem partizipativ-kollaborativen Ansatz wurde im Rahmen der bürokratisch abgehandelten und protokollierten Performance Das Kuchenmodell die jeweilig für einen der insgesamt fünf sich immer in den Abend hinein erstreckenden Nachmittage aus einer Gesamtfördersumme von 500 Euro zur Verfügung stehende Summe [somit jeweils 100 Euro] zu gleichen Teilen als Aufwandsentschädigung für die inhaltlichen Beiträge an die sich jeweils im Think Tank Einbringenden ausbezahlt. 

Als finale Session präsentierte die Performerin Mimie Maggale eine Nacktperformance zum Thema Gleichberechtigung von Frauen und Gendering bzw. Identitätsbildung im Kontext digital und urban geprägter Individualität, die sicherlich als zweite Hauptszene gelten darf. Die Performance wurde per Videokamera dokumentiert.

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(*)
Cut-up als historischer Kunstbegriff bezeichnet die von Gysin zufällig für sich entdeckte und gemeinsam mit Burroughs weiterentwickelte Methode der Montage, die durch unbewusst-assoziativen Zerlegens von Inhalten in Texten und deren zufälliger Neu-Anordnung quasi meta-bewusste Inhalte erzeugt. Ansinnen dieser beiden wesentlichen Vertreter der Beat Generation war, so über geltende Sprache hinauszugehen und Inhalte jenseits von festgelegten Inhalten herzustellen. Schon bald wurden Wörter durch Zeichen, Farben und Fotografien ersetzt und das Medium des geschriebenen Wortes um die Fotocollage ergänzt. Ein weiterer Ansatz war, vollkommen nach dem Zufallsprinzip vorgehend, Texte aus Printmedien zu lesen und diese auf Tonband aufzunehmen, um das Band dann, wieder dem Zufall folgend, vor- bzw. zurückzuspulen und an beliebigen Stellen neue Textstellen darüberzuspielen. Die Texte wurden schliesslich um Musikeinspielungen, Sounds, Geräusche und Found Audio Footage erweitert. Es war nur eine logische Folge, dieses Prinzip der aus dem Unbewussten heraus agierenden Montage auf die Filmcollage anzuwenden.

Noch heute muss das künstlerische Genre der Extended Performance wie auch jenes des Expanded Cinema der Dadaist_innen wie der Beat Generation als die wichtigsten Vorläufer_innen einer Vielzahl heutiger Produktionsansätze und ihre methodischen Ansätze des assoziativ-medialen Kunstschaffens als zeitgenössisch relevant angesehen werden. Begriffe wie Remix oder Resampling würde es ohne sie nicht geben.

(**)
Betitelung der Recordings der diskursiven Sessions: Alexandra Reill, 2015

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